Daten über das Stromkabel zu übertragen ist eigentlich keine neue Angelegenheit. Schon in den 20er Jahren nutzten damalige Stromversorger, z.B. die heutige RWE Energie AG, diese Möglichkeit auf analoger Basis. Richtig Nachfrage kam dann in den 80er Jahr auf, als das Babyphon sich in den deutschen Haushalten etablierte. Das Tragische dabei: Für die Übertragung von größeren Datenmengen (> 1Mbit/s) war die Technik nicht ausgereift genug. Schon geringe Veränderungen im Stromnetz (z.B. das Einschalten eines Mixers) störten die Übertragung erheblich. Diese Probleme konnten nur mit Hilfe von digitalen Übertragungsverfahren mit entsprechenden Sicherungsmechanismen gelöst werden. Denn für die heutigen Anforderungen ist eine robuste und stabile Datenkommunikation unabdinglich.
Bei der jetzigen Powerline - Technologie (folgend PLC – Powerline Communications genannt) werden die Daten im Frequenzbereich von 95 kHz bis 148,5 kHz (lt. Cenelec Norm EN 50065) übertragen. Dieser Bereich wird in zwei, für den privaten Gebrauch nutzbare Bänder aufgeteilt: einmal das B- (95 - 125 kHz) und das D- (140 - 148,5 kHz) Band. Aus diesen Frequenzbändern lassen sich Bandbreiten bis ca. 2 Mbit/s ausschöpfen.
Dabei wird der 230V-Netzsspannung (50 Hz) eine Signalspannung in höherer Frequenz überlagert (B- oder D-Band), welche die zu übertragenden Daten in geeigneter modulierter Weise enthält. Die Modulation wird mit dem OFDM/QAM Verfahren durchgeführt, das in ähnlicher Form auch bei der ADSL Technologie Anwendung findet. OFDM/QAM steht für Orthogonal Frequency Division Multiplex / Quadratic Amplitude Modulation. Die sog. PolyTrax-II-Technik nutzt das gesamte zur Verfügung stehende Frequenzband und verteilt die Signale über Frequenz Hopping über die verfügbaren Einzelfrequenzen. Bei dem eben geschilderten Verfahren können Reichweiten von bis zu 500 Meter erreicht werden.
Problematisch ist, dass an dem von PLC genutzten Frequenzband die Bänder für Lang- (bis 238,5 kHz), Mittel- (bis 1,6 MHz) und Kurzwellenfunk (bis 26,1 MHz) angrenzen. Gerade Amateurfunker und staatliche Dienste wie Polizei und Militär beanstanden jetzt schon Störungen durch PLC-Applikationen und wehren sich gegen die Herausgabe von Frequenzbändern zur Übertragung von Daten über die Stromleitung.
Generell eröffnen sich damit zwei Möglichkeiten: Zum einem das Internet aus der Steckdose und zum anderen der Aufbau eines privaten Netzwerk daheim über die Elektroinstallation.
Dass aus Variante Eins, dem Internet aus der Steckdose, nichts mehr wird, ist wohl ein offenes Geheimnis. Zwar gibt es Projekte wie in Mannheim oder Ellwangen, bei dem ca. 5000 Haushalte über das Stromnetz an das Internet angebunden wurden, doch seit dem Absprung von Siemens als Technologiepartner und der starken Präsenz der Telekom mit ca. 4 Millionen (Stand 09/2003) verkauften T-DSL Anschlüssen, muss davon ausgegangen werden, dass das Internet aus der Steckdose eher ein Schattendasein führen wird. Selbst mit groß angelegten Marketingaktionen und dem sofortigen Ausbau der Stromnetze für diese Technologie, dürfte es sehr schwer werden, dem Breitbandzugang No.1, T-DSL, noch einzuholen.